Ist Sterben eigentlich witzig?

24. August 2011

Der gute Vicco von Bülow hat uns verlassen. Aber statt zu trauen, lachen wir alle noch einmal kräftig. Denn im TV laufen zur Erinnerung nochmals die einzigartiken Sketche von Loriot. Und so sei die Frage erlaubt: Ist Sterben eigentlich witzig? Genaues ist nicht überliefert und die Erfahrungsberichte halten sich in Grenzen. Für den Betroffenen gibt es sicher eine Seite, für die Hinterbliebenen eine ganz andere. Im Fernsehen jedenfalls durfte sich jeder tatsächliche oder angebliche Weggefährte noch einmal an den großen Meister des deutschen Humors (ja, den gibt es dank Loriot wirklich) erinnern und dabei oft kräftig amüsieren. Diverse TV Sender hatten ihr Programm anläßlich des Ablebens des gebürtigen Brandenburgers geändert. Das gelang in der Vergangenheit nicht immer im Angesicht des Gevatters mit der Sense.

Erinnern wir uns nur an das schwere Erdbeben im März dieses Jahres in Japan. Ein paar realitätsferne Agenturmeldungen sprachen noch von etwa 100 Toten, als schon TV-Bilder des schweren Tsunamis eine um Dimensionen größere Katastrophe ankündigten. Doch am Abend des 11. März besuchten die Simpsons im Fernsehen ausgerechnet Japan. Eine ähnlich unglückliche Programmierung ist aus dem Frühjahr 2005 überliefert. Damals, als Papst Johannes Paul der II. relativ gemütlich einem Treffen mit seinem Schöpfer entgegen wackelte, lief doch tatsächlich im TV “Stirb Langsam 2″.

Apropos 2005. Erinnern Sie sich noch an das etwas makabere Race Richtung “Final Destination”, das damals die Welt in Atem hielt? Eben jener Papst lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Fürst Rainier von Monaco. Der Papst kam am 2. April über die Linie, während der Fürst erst am 6. April die Zielflagge sah. Trotzdem blieben für die beiden nur die Silber- und die Bronzemedaille übrig. Denn auf der Zielgeraden wurden beide noch von einem anderen überholt. Am 1. April 2005 gelang es Harald Juhnke plötzlich und unerwartet das Rennen nach Hause zu fahren. Ausgerechnet am 1. April, Harald, das war schon irgendwie witzig …

Verbotsverfahren gegen UNO und Bundesverfassungsgericht?

10. August 2011

CSU-Generalsekretär Dobrindt will gerade ein Verbot der Linkspartei prüfen lassen.  Einer der Vorwürfe: Die Linke strebe eine “andere Republik” an. Wie denn anders? Etwa eine Republik, die ein verfassungskonformes Wahlrecht hat? Denn seit dem 1.6.2011 gilt das de facto für die Bundesrepublik nicht mehr. Die schwarz/gelbe Regierung hat es drei Jahre nach dem Richterspruch aus Karsruhe nicht auf die Reihe bekommen, ein verfassungsgemäßes Wahlrecht zu schaffen.

Oder ist mit einer “anderen Republik” eine gerechtere gemeint. Im Juli dieses Jahres kritisierte die UNO Deutschland in ihrem neuesten Staatenbericht unter anderem für die Ungerechtigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt und im Gesundheits- und Sozialwesen. Dieser linke Haufen aus New York wird der CSU seit dem sicher auch ein Dorn im Auge sein.

Vieleicht sollte man gleich Verbotsverfahren gegen die UNO und das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) anstreben. Die Spielverderber aus Karlsruhe haben in der jüngeren Vergangenheit die Gesetzesmacher von Bund und Ländern in schöner Regelmässigkeit zurückgepfiffen.

Übrigens hat genau dieses Bundesverfassungsgericht das letzte große Verbotsverfahren gegen eine Partei abgeblasen. Als Anfang dieses Jahrtausends auf maßgebliche Initiative des damaligen bayrischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) ein Verbotsverfahren gegen die NPD eingeleitet wurde, stellte das BVerfG dieses aus Verfahrensgründen ein. Ironie dieser Geschichte: die NPD war massiv von V-Leuten des Verfassungsschutzes gespickt.

Warum riskiert ein CSU-Generalsekretär jetzt das nächste blaue Auge im Hinblick auf ein Verbotsverfahren? Einfache Antwort: Weil Wahlkampf ist. Denn im gleichen Atemzug mit dem Ruf nach dem Linke-Verbot rief Dobrindt in einem Interview mit der Bild am Sonntag Berlins Bürgermeister Wowereit auf, “vor der Berliner Wahl im September klipp und klar zu erklären, dass er mit denen, die offen sagen, dass sie eine andere Republik wollen, nicht mehr regieren wird.”

Das Ende der Anonymität - aber bitte für Alle!

9. August 2011

Bundesinnenminister Friedrich hat das Ende der Anonymität im Netz gefordert. Im SPIEGEL-Gespräch erklärte er: “Das Internet stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Die Grundsätze unserer Rechtsordnung müssen auch im Netz gelten. In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein?”

Da sollten auch Politiker ab sofort immer mit offenem Visier streiten. Geheime Abstimmungen, wie bei der Wahl von Bundeskanzlern oder Ministerpräsidenten, gäbe es dann nicht mehr. Überhaupt sollte dann jede Abstimmung namentlich erfolgen, damit sich die Bürger stets ein Bild über das Abstimmungsverhalten ihrer Abgeordneten machen könnten. Technisch ist das längst möglich, wie es das Beispiel Internet zeigt. Hier sind in den meisten Fällen selbst Einträge unter Pseudonym anhand der IP-Adresse bis zum Urheber in gewissen Fällen nachvollziehbar.

Und was heißt eigentlich “verfassungsmäßige Spielregeln”? Die Regeln, nach denen jeder Abgeordnete handeln sollte. Wie sagt Artikel 38 des Grundgesetzes? “Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.”

Die Worte “Fraktionszwang” oder “Fraktionsdisziplin” gibt es also nur in Science Fiction Romanen?

Man sollte etwas vorsichtig sein, wenn man den Klarnamenzwang durch die Gegend wirft, insbesondere wenn man im parlamentarischen Glashaus sitzt. Es gibt gute Gründe für geheime Abstimmungen und dafür, dass nicht grundsätzlich jeder Abgeordnete einer Fraktion machen kann, was er will.

Aber mindestens so viele Gründe gibt es für die Anonymität im Internet. Ganz davon abgesehen bin ich der Meinung, dass einige Politiker ziemlich dumm dastehen würden, könnte man nachträglich Einträge in Politikforen oder Kommentare zu politischen Artikeln im Internet ent-anonymisieren.

“Gemeinsam packen wir die Million!” In die eigene Tasche?

4. März 2010

An: HARIBO Kundendienst

Sehr geehrte Damen und Herren,

Geld für ein Kinderhilfswerk zu sammeln, ist prinzipiell eine gute Sache.

Finden Sie allerdings nicht, dass 1 Cent ein bisschen wenig ist, was sie pro Verkaufseinheit abführen. Selbst wenn der Betrag verdoppelt wird, sind dies auch nur 2 Cent.

Wieviel verdient denn Haribo an einer Tüte Goldbären, und wieviel an einer 1 Kilogramm Packung (Verkaufspreis ca. 4,50 Euro)? Ich nehme an, wesentlich mehr, als 2 Cent. Das Zehnfache? Das Hundertfache?

Sollten also 1 Million Euro zusammenkommen, haben Sie 50 bzw. 100 Millionen Verpackungseinheiten verkauft und wieviel genau daran verdient? Und wieviel streichen Herr Gottschalk und Frau Hunziger dafür ein?

Das würde mich mal interessieren. Dann könnte ich die Aktion ein bisschen besser einordnen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Sie unter dem Deckmäntelchen einer Charity-Aktion ziemlich kräftig Kasse machen.

Kann das sein? Nur mal so nachgefragt. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Mit besten Grüßen

RON RINGGUTH

Computer, Ampeln und Raumschiffe

23. November 2009

Wie konnte es passieren, dass vor 40 Jahren eine Rakete auf den Mond geschossen wurde? Mit der damaligen Rechentechnik, meine ich. Wie war das möglich? Mehr als 10 Jahre später hatte man doch nicht mal vernünftige Computer. Selbst im Hitech-Land DDR nicht. Mitte der 80er Jahre durfte ich bei Leerlaufzeiten regelmässig an den Hauptrechner des VEB Pumpenfabrik Oschersleben, Betrieb im Volkseigenen Kombinat Pumpen und Verdichter Halle. Es war ein KRS 4200, der heute kaum in mein Haus passen würde. Hauptspeicher: 16 kB. Ich wiederhole: SECHZEHN KaaaahBeeeh. Als wenig später das Nachfolgemodell, der KRS 4201 angeschafft wurde (der hatte neben Lochstreifen schon Magnetplattspeicher), verdoppelte sich der Hauptspeicher: 32 kB. Wow. Auf meine etwas ketzerhafte Bemerkung, das sei ja auch nicht gerade üppig, antwortete mir der damalige Chef der Rechenstation, “na den musst Du erstmal voll bekommen”.

Wenn man heute im privaten PC unter 4 GB Hauptspeicher hat, muss man schon Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Und die Taktfrequenzen der Rechner haben sich auch geringfügig verändert. Von Festplattenkapazitäten ganz zu schweigen. Aber ich rede hier nur von Quantität, nicht von Qualität. Denn die scheint sich im Vergleich zu den 60er Jahren kaum verändert zu haben. Zumindest in den Verkehrsleitzentren.

Denn wie soll ich mir sonst erklären, dass man heutzutage mit dem Auto nachts vor roten Ampeln steht, ohne dass ein einziges anderes Auto zu sehen ist. Oft minutenlang. Können heutige Computer das nicht klären, wenn Computer vor 40 Jahren eine Mondlandung ermöglichten? Ich will hier nicht spekulieren, wieviel Treibstoff sinnlos verschwendet wird, von der CO2-Belastung ganz abgesehen. Und der schönen Zeit, die man verschenkt. Nacht für Nacht und oft auch Tag für Tag.
An den Computern kann es im Jahr 2009 nicht liegen. Das wage ich mal zu behaupten.

Also sollten die Deppen in den verantwortlichen Positionen endlich mal aufwachen!!!